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Posté le: Lun 03 Avr 2006 15:40 Sujet du message:
Brett a écrit:
Nein. Das traut man weder ihr noch sonst jemanden zu. Der Grund dafür ist recht einfach : alle Politiker/innen sind auf die Wahlen (2007) konzentriert, und das wissen die Bürger/innen.
Oh, bei uns würde sich kein Politiker, der Ambitionen hat, so eine Gelegenheit entgehen lassen, vor die Kameras zu treten und die Bürger wissen lassen, was der verantwortliche Minister alles falsch macht und wie man es richtig anpacken muß.
Gerade in Zeiten des Wahlkampfes und selbst, wenn es sich um Parteifreunde handelt! Manchmal hört man dabei ja auch vernünftige Vorschläge !
Übrigens vielen Dank für die Links, die sind sehr informativ gewesen.
In meiner Vorstellung waren die ENA's (und natürlich deren Absolventen) immer was ganz Verehrungswürdiges. Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass sich in Frankreich auch ein ganz hübscher "Reformstau" (schönes Wort, n'est pas?) gebildet hat!
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Posté le: Lun 03 Avr 2006 19:37 Sujet du message:
theresa a écrit:
"Reformstau" (schönes Wort, n'est pas?)
Oh ja, lecker Wort !!
Ich schreibe gleich ein (vielleicht) neues :
Brett Sinclair a écrit:
alle Politiker/innen sind auf die Wahlen (2007) konzentriert, und das wissen die Bürger/innen.
Ja, ist das nicht eine Schande ? Diese Einstellung finde ich total dämlich. In Frankreich sieht es so aus, als ob die Wahlen schon vor einem Jahr angefangen hätten...
Jede Paar Monate wird ein Politiker als eventueller Präsident vorgestellt. _________________ Surfin' surfin' all the time 8)
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Posté le: Mar 11 Avr 2006 11:19 Sujet du message:
Bei uns gibt es seit kurzem die Möglichkeit, ein Arbeitsverhältnis (egal mit wem, nicht nur mit Berufsanfängern) auf max. 24 Monate abzuschließen. Das kann sogar noch zweimal verlängert werden. Der Arbeitgeber muss keinen Grund für die Beendigung des Vertrages angeben.
Diese Möglichkeit soll Arbeitgebern bei der Personalplanung mehr Flexibilität geben. Die Arbeitnehmer sollten damit die Gelegenheit erhalten, über ein befristetes Arbeitsverhältnis ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu erlangen. Denn kein Arbeitgeber lässt bewährte Arbeitnehmer gerne gehen!
Die Einführung dieser Regelung hat überhaupt kein Aufsehen erregt, jeder hat sie verstanden und sieht sie als Chance für beide Seiten.
Was bewegt die Franzosen so am CPE ? Der Inhalt oder nur die Art, mit der de Villepin versucht hat, das Gesetz durchzubringen?
Ich bin auch deiner Meinung Theresa : die Arbeitgeber brauchen mehr Flexibilität heutzutage, damit sie ihre Angebot an die schnell veränderliche Nachfrage anpassen können.
Ich glaube aber, dass man in Frankreich immer noch der "méchant patron" fürchtet, der mehr Geld verdienen möchtet, und der die Arbeiter ausnützt.
Unsere Eltern trauen nicht mehr ihren Arbeitgebern, besonders wenn es sich um grosse Firmen handelt, die viele Leute entlassen haben, und die neue Generation, die vom CPE geholfen werden sollte, kennt aber gar nicht den Arbeitsmarkt.
Dazu fürchten die Franzosen auch den Kompromis : Wenn alles sanft klappt, ist das ein schlechtes Zeichen ...
Gestern habe ich auch etwas anderes und interessantes von Pierre Mehaignerie (UMP) gehört : er hat wohl auf dem Punkt bestanden, dass wenn die Regierung Reformen und Anstrengungen von den Franzosen erlangen möchtet, müssen die Politiker und die Betriebleiter sich als Vorbild verhalten, und zuerst an Privilegien verzichten. Es könnte die Bevölkerung zu den notwendigen Veränderungen ermutigen. _________________ Frankreich Forum | Französische Musik | Französische Filme
Der CPE begüngstigt die Flexibilität. Ist es eine gute Lösung? Warum nicht, aber dann muss man eine andere Stelle finden, wenn wir zu Ende einer Arbeit kommen, und wenn wir eine Familie haben, wollen wir in dem Gegend bleiben. Aber wir können feststellen, dass es nicht den Fall ist. Wenn wir in der Arbeitlosigkeit fallen, ist es sehr schwer eine Arbeit zu finden, besonders wenn man nicht empfehlen bei jdm hat. Das ist sehr schwer keine stabile Stelle zu haben. Wir können keine Plan machen, keine Familien gründen, nicht viel Geld verdienen, d.h. wenige Kaufkraft, man kann entlassen ohne Sicherheit ... Warum so viele Studenten demonstrieren in die Städte? Für Spaß? Sie denken wahrscheinlich an ihrer Zukunft. Sie wollen ihre sozialen Rechte behalten, es wäre wahrscheinlich schade sie zu verlieren. Es ist immer schwerer eine Arbeit in unseren Gesellschaft zu finden, deshalb suchen sie eine gewisse Sicherheit. Die Politker kennen nicht die Flexibilität, das ist nämlich leicht, Reformen aufzudrängeln, wenn man nicht bettrift ist...! Nicht Jeder Mensch hat die selben Lebenstände. Man muss daran denken...
Und in Deutschland denke ich, dass die Deutschen eine Chance zu der Kanzlerin geben wollen. Aber 2007 werden die Reformen stärker. Die große Koalition fängt langsam an, um nicht die Deutschen zu stören, deshalb reagieren sie in diesem Augenblick nicht. Aber dann könnte man Reaktionen treffen, wie mit der Agenda 2010, wo es Demonstrationen standen. Ich bin nicht sicher, dass die Steigerung der MwSt erfreuten die ganze Bevölkerung. Aber das ist nur Vermutungen.
Und eine Frau Präsidentin in Frankreich. Gute Idee. Wählen Sie für mich! lol Aber ich finde die Männer noch ein bisschen "Matcho". Aber mit der Zeit wird es andern, höffe ich! Man muss sich errinern, dass die Frauen nur im Jahre 1945 gewält können haben...! Tut mir leid für die Fehler!
Bravo für das Forum, man kann viele Dingen über Deutschland lernen!
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Posté le: Mar 11 Avr 2006 17:35 Sujet du message:
Unsere Arbeitnehmerrechte stammen aus einer Zeit, in der es den Ökonomien in Westeuropa sehr gut ging.
Ich befürchte, wir werden uns aber an den Gedanken gewöhnen müssen, dass unsere Arbeitsplätze mehr und mehr nach Osteuropa, Indien oder China verlagert werden. Die schönen Zeiten der Vollbeschäftigung am Arbeitsplatz, wie sie unsere Eltern vielleicht noch kannten, sind wohl leider vorbei.
Wir müssen uns also etwas Neues einfallen lassen.
Welchen Anreiz sollte ein Unternehmen haben, heute noch einen Mitarbeiter einzustellen, wenn er jahrelang prozessieren muss, um ihn wieder los zu werden?
Was wäre, wenn ein ausländisches Unternehmen in Europa ein Werk errichten will und sich für einen Standort in D statt in F entscheidet, weil er bei uns weniger Probleme mit dem Arbeitsrecht hat? Da ist ein befristeter Job doch besser als gar keiner, sowohl für den Einzelnen als auch für die Sozialversichrungssysteme.
Nach meiner Ansicht heißt die Alternative daher nicht befristeter oder unbefristeter Arbeitsvertrag sondern: befristeter Arbeitsvertrag oder Arbeitslosigkeit.
Das gilt vor allem für die schwierigen Leute, die zur Zeit überhaupt keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben und frustriert oder kriminell reagieren. In diesem Punkt sind die Verhältnisse in F und D doch ziemlich ähnlich, oder?
@ Marine: Super Deutschkenntnisse ! Bravo!
SebOmaX a écrit:
Dazu fürchten die Franzosen auch den Kompromis : Wenn alles sanft klappt, ist das ein schlechtes Zeichen ...
Ich dachte immer Frankreich sei das Land der Diplomatie !
Inscrit le: 11 Jan 2006 Messages: 1914 Localisation: Trier, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Posté le: Mer 12 Avr 2006 08:53 Sujet du message:
theresa a écrit:
Unsere Arbeitnehmerrechte stammen aus einer Zeit, in der es den Ökonomien in Westeuropa sehr gut ging.
Ich befürchte, wir werden uns aber an den Gedanken gewöhnen müssen, dass unsere Arbeitsplätze mehr und mehr nach Osteuropa, Indien oder China verlagert werden. Die schönen Zeiten der Vollbeschäftigung am Arbeitsplatz, wie sie unsere Eltern vielleicht noch kannten, sind wohl leider vorbei.
Wir müssen uns also etwas Neues einfallen lassen.
Welchen Anreiz sollte ein Unternehmen haben, heute noch einen Mitarbeiter einzustellen, wenn er jahrelang prozessieren muss, um ihn wieder los zu werden?
Das ist ja genau was die französischen Studenten befürchten und was Arbeitgeber nervt : auf der einen Seite befürchten die Jungen, entlassen zu werden ; auf der anderen Seite beklagen sich die Arbeitgeber, daß das französische Arbeitsrecht es ihnen nicht leicht macht. Und sie haben Recht ! Wenn ein französischer Arbeitgeber jemanden entlassen muss, muss er sich gegenüber einer Unmenge von Leute und Instanzen rechtfertigen : des représentants de l'ANPE, des Assedic, de la mission locale pour l'emploi, de l'inspection du travail, de la direction départementale du travail,... !!!!!!!!!!!!! Das ist doch verrrückt, oder ?
Dazu kommt noch der total verrückte Anstieg der Artikeln und Gesetze des franzosische Arbeitrechts : mal 4 in 25 Jahren !!!!!!!!!!!!
Das sind doch Zahlen die sprechen, oder ?
Und dann denken die Leute immer noch das französische Arbeitsrecht würde sie nicht beschützen ?!?! Das ist auch schlicht und einfach eine Verläugnung der Realität. Viele Franzosen verläugnen einfach die Realität, oder sie kennen sie einfach nicht (ich bin sicher, daß 99% der Franzosen gar nicht wissen, daß der "Code du travail" -Arbeitsgesetz- sich dermassen entwickelt hat).
theresa a écrit:
Was wäre, wenn ein ausländisches Unternehmen in Europa ein Werk errichten will und sich für einen Standort in D statt in F entscheidet, weil er bei uns weniger Probleme mit dem Arbeitsrecht hat? Da ist ein befristeter Job doch besser als gar keiner, sowohl für den Einzelnen als auch für die Sozialversichrungssysteme.
Genau das sind auch 2 andere Probleme in Frankreich :
Erstens, die Franzosen sind "protectionnistes" und sie sind verdammt stolz über die eigenen Firmen, Markennamen, usw.
Man braucht nur zu sehen, was z.Z. mit Suez, Enel et Gaz de France passiert. Die französische Regierung möchte, daß Suez und GDF fusionieren, um zu verhindern, daß Enel auf den franz. Markt eindringen kann. Und dann sagen die Franzosen immer noch die Regierung wäre "ultra-libérale" ?!?! Das ist doch verrückt. Und das Schlimmste bei diesem Streit, wegen Suez, GDF und Enel : Niemand stellt sich die Frage, was besser wäre für das Land !!!!!!!!!!
Das andere Probleme im französischen "inconscient collectif", daß Du sehr gut ansprichst, ist : "Da ist ein befristeter Job doch besser als gar keiner". => Genau das kapieren die meisten Franzosen nicht !!!!
Die meisten Leute verweigern lieber den Job wenn die Stelle, die Firma, oder was weiß ich ihnen nicht gefällt. Warum ? Ganz einfach : erstens weil die französischen Arbeitslosen sehr viel Arbeitslosengeld bekommen. Das ist, übrigens auch ein politisches Problem, und nicht nur ein Problem der Arbeitslosen : in Frankreich ist das System so gemacht, daß immer noch viel mehr in die "indemnisation" (ALG) ausgezahlt wird als in die Arbeitssuche investiert wird. Ein zweiter Grund ist, daß viel Franzosen sehr wählerisch sind, in Bezug auf Job und Co. Denen ist es lieber, nicht zu arbeiten, als etwas zu tun was ihnen nicht gefällt, auch wenn man heutzutage nicht mehr anders kann !!! Denn, jeder muss ja für sein Unterhalt, Miete, Strom, usw aufkommen können ! Aber, die meisten Franzosen scheint das kalt zu lassen. Die verweigern eher eine Stelle...
theresa a écrit:
Nach meiner Ansicht heißt die Alternative daher nicht befristeter oder unbefristeter Arbeitsvertrag sondern: befristeter Arbeitsvertrag oder Arbeitslosigkeit.
Genau !
theresa a écrit:
Das gilt vor allem für die schwierigen Leute, die zur Zeit überhaupt keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben und frustriert oder kriminell reagieren. In diesem Punkt sind die Verhältnisse in F und D doch ziemlich ähnlich, oder?
Inscrit le: 11 Jan 2006 Messages: 1914 Localisation: Trier, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Posté le: Mer 12 Avr 2006 09:17 Sujet du message:
Brett Sinclair a écrit:
erstens weil die französischen Arbeitslosen sehr viel Arbeitslosengeld bekommen. Das ist, übrigens auch ein politisches Problem, und nicht nur ein Problem der Arbeitslosen : in Frankreich ist das System so gemacht, daß immer noch viel mehr in die "indemnisation" (ALG) ausgezahlt wird als in die Arbeitssuche investiert wird.
Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Um also ein konkretes Beispiel zu nennen um zu erklären, was ich damit meinte :
Bevor ich mich entschlossen habe, mich vor knapp 2 Jahren selbstständig zu machen und letztes Jahr sogar eine eigene Firma zu gründen, war ich über 15 Jahre lang Angestelle in verschiedene private Firmen. Als ich vor 4 Jahren meine Stelle verlor, übrigens zur gleichen Zeit wie die meisten meiner damaligen Kollegen, war natürlich das dt. Arbeitsamt zuständig für mich.
Ich habe während dieses eine Jahr ohne Arbeit, 1800 Euro Arbeitslosengeld im Monat bekommen. Und, wer dt. Verhältnisse kennt, weiß daß 18 hundert Euro ALG sehr viel sind. Es sind nicht viele Arbeitslosen in D. die soviel bekommen.
In Frankreich hätte ich sage und schreibe 5400 Euro Arbeitslosengeld im Monat bekommen.
Das zeigt doch ganz klar, daß es in Frankreich ein Problem mit dem Arbeitslosengeld gibt. Sicher sind die Summen, die man in D. bekommt, oft viel zu gering, aber die französischen sind viel zu hoch !!!!
Ach ja, und noch was : Wegen meiner langjährigen Berufserfahrung habe ich die Summe 12 Monate lang bekommen, d.h. die höchste Dauer für Arbeitslosen unter 45 Jahre. In Frankreich hätte ich die obengenannte Summe 42 Monate lang bekommen !!!
Das erklärt sehr eindeutig und einleuchtend, warum viel zu viele Franzosen lieber Arbeitslos bleiben, als eine befristete Stelle anzunehmen.
Inscrit le: 20 Fév 2006 Messages: 1156 Localisation: Cologne - un brin de l'Allemagne !
Posté le: Mer 12 Avr 2006 10:49 Sujet du message:
Brett a écrit:
In Frankreich hätte ich sage und schreibe 5400 Euro Arbeitslosengeld im Monat bekommen.
In Frankreich hätte ich die obengenannte Summe 42 Monate lang bekommen !!!
Was muß ich tun, um die französische Staatsbürgerschaft zu beantragen?
Inscrit le: 11 Jan 2006 Messages: 1914 Localisation: Trier, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Posté le: Mer 12 Avr 2006 11:03 Sujet du message:
Du brauchst die fr. Staatsbürgerschaft nicht. Das Arbeitslosengeld hängt vom Wohnort ab. Ganz einfach.
Ah ja, ich hab' vorhin was vergessen : damals, als wir alle unsere Stelle verloren haben, weil die luxemburgische Firma eine ganze Abteilung schliessen musste, lebten die meisten der Angestellte in Frankreich, einer in D. (ich lol) und zwei in Belgien. Das Unglaublichste an dieser WAHREN Geschichte ist, daß ich, als Abteilungsleiter weniger ALG in D bekommen habe, als die Mitarbeiter, die in meiner Abteilung waren aber in Frankreich wohnten. Sogar meine damalige Sekretärin hat mehr Arbeitslosengeld vom französischen Staat bekommen als ich, ehemaliger Abteilungsleiter...
Total verrückt, wenn man mal kurz nachdenkt, oder ?
P.S.: Ich hab' nix gegen Sekretärinnen. Viele Assistentinnen/Sekretätinnen machen einen Tollen Job, und sind für Manager unerlässlich geworden, aber daß ein leitender Abgestellte weniger ALG bekommt als seine Sekretärin, wo hat man denn das schon mal gesehen ? Das zeigt sehr gut die Unterschiede zw. D. und F : in Frankreich werden die Arbeitslosen mit viel zu viel Arbeitslosengeld verwöhnt. Danach braucht man sich nicht zu wundern, daß die keinen "kleinen" Job o. befristete Stelle annehmen wollen...
Inscrit le: 01 Nov 2005 Messages: 3598 Localisation: Lyon
Posté le: Mer 12 Avr 2006 16:02 Sujet du message:
theresa a écrit:
Unsere Arbeitnehmerrechte stammen aus einer Zeit, in der es den Ökonomien in Westeuropa sehr gut ging.
Ich befürchte, wir werden uns aber an den Gedanken gewöhnen müssen, dass unsere Arbeitsplätze mehr und mehr nach Osteuropa, Indien oder China verlagert werden. Die schönen Zeiten der Vollbeschäftigung am Arbeitsplatz, wie sie unsere Eltern vielleicht noch kannten, sind wohl leider vorbei.
Wir müssen uns also etwas Neues einfallen lassen.
(...)
Nach meiner Ansicht heißt die Alternative daher nicht befristeter oder unbefristeter Arbeitsvertrag sondern: befristeter Arbeitsvertrag oder Arbeitslosigkeit.
Ich bin mit dir völlig einverstanden, aber dass verstehen eben die Franzosen nicht. Oder wollen es nicht verstehen. Wie Brett sagt, verleugnen sie das einfach. Sie wollen ihre "Privilegien" partout verteidigen. Egal ob "befristeter Arbeitsvertrag oder Arbeitslosigkeit", das verleugnen sie überhaupt, für sie gibt es nur eine Alternative : unbefristeter Arbeitsvertrag mit allerlei Rechten...
Aber hier ist natürlich der Ausdruck "die Franzosen" ein bisschen übertrieben, natürlcih gibt es auch unter den Franzosen viele (vielleicht sogar eine Mehrheit?), die anders denken, sich aber nicht so laut ausdrücken. Das stelle ich jeden Tag auf Foren oder mit "echten" Leuten fest.
theresa a écrit:
SebOmaX a écrit:
Dazu fürchten die Franzosen auch den Kompromis : Wenn alles sanft klappt, ist das ein schlechtes Zeichen ...
Ich dachte immer Frankreich sei das Land der Diplomatie !
Ne ne, ich bin hier völlig mit Seb einverstanden...
Brett: auch einverstanden, was das Arbeitslosengeld betrifft. Bin mir aber nicht sicher, ob dass wirklich mit dem CPE zu tun hat? _________________ Сонька
Forum Russie
Inscrit le: 11 Jan 2006 Messages: 1914 Localisation: Trier, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Posté le: Jeu 13 Avr 2006 09:46 Sujet du message:
Sonka a écrit:
Aber hier ist natürlich der Ausdruck "die Franzosen" ein bisschen übertrieben, natürlcih gibt es auch unter den Franzosen viele (vielleicht sogar eine Mehrheit?), die anders denken, sich aber nicht so laut ausdrücken.
Höchstwahrscheinlich !
Doch, ob es eine Mehrheit ist, wage ich mal zu bezweifeln, da, laut einer aktuellen Umfrage, 3/4 der französischen Jugendlichen bis 25 Jahren, von einer Karriere als Beamte träumen - obwohl auch ich von dieser Zahl etwas erstaunt bin.
Sonka a écrit:
Brett: auch einverstanden, was das Arbeitslosengeld betrifft. Bin mir aber nicht sicher, ob dass wirklich mit dem CPE zu tun hat?
Du hast schon Recht, daß es kein direkter Zusammenhang mit der aktuellen Debatte in Frankreich um den "CPE" gibt.
Dennoch wäre ich mal gespannt zu erfahren was die Kinder von Arbeitslosen denken.
Denn es ist ja wohl bekannt, daß man auch von seinem direkten Umfeld (Familie, usw) beeinflusst wird. Und wenn Kinder sehen, daß es ihren Eltern als Arbeitslose gar nicht so schlecht geht, weil der Staat ihnen so hohe Summen "bezahlt", bin ich mir fast sicher daß das die Kinder und Jugendlichen prägt.
Wer hat schon Lust sich viel Mühe zu geben um eine Arbeit zu finden wenn die eigenen Eltern (oder Freunde, Bekannte) es während der Arbeitslosigkeit gar nicht mal so schlecht haben ?
Die Situation in der die Eltern, Familienangehörigen, oder Freunde leben, hat schon einen Einfluß auf die heutige Jugend. Das ist, denke ich, unbestreitbar.
Als Beispiel kann ich nur meine eigene Tochter nennen : Sie ist zwar erst volljährig geworden, und hat noch etwas Zeit bevor sie sich "auf den Arbeitsmarkt stürtzen muss", aber machmal bin ich schon etwas erstaunt über ihre Aussagen. Wie z.B. als sie uns einmal sagte, wenn sie später mal den Job verlieren sollte, würde sie sich direkt in Frankreich oder Luxemburg anmelden, weil die Arbeitslosen es dort besser haben als bei uns in Deutschland. Solche Aussagen lassen uns Eltern schon nachdenklich werden...
Naja, zuerst mal muss sie dieses Jahr ihr Abitur schaffen. Zum Glück waren die Schulen hier nicht blockiert. Im Ernst : Das ist auch etwas, daß ich nicht begreife bei der französischen Jugend, die soviele Schulen und Universitäten blockiert : Warum verstehen die nicht, daß es nochmal die Schwächsten treffen wird ? Diese unverständlichen Blockaden werden wieder einmal dieselben treffen : die Sozialschwachen, die die "boursiers" sind (das franz. "Bafög" sozusagen), die die nicht das Geld haben sich jetzt privaten Unterrricht zu leisten um die verlorene Zeit aufzuholen, die die eh schon Schwierigkeiten in der Schule hatten, usw. Warum kapieren die sowas nicht ? Das versteh' ich nicht.
Inscrit le: 01 Nov 2005 Messages: 3598 Localisation: Lyon
Posté le: Jeu 13 Avr 2006 14:31 Sujet du message:
Brett Sinclair a écrit:
Denn es ist ja wohl bekannt, daß man auch von seinem direkten Umfeld (Familie, usw) beeinflusst wird.
Klar! Und das gilt auch umgekehrt. Ich bin mir sehr bewusst, dass mein Hinblick auf diese Situation (und aufs politische Leben im Allgemeinen) deutlich von meiner Umgebung beeinflusst wird. Ich habe ja ganz viele Unternehmer herum: beide Grosseltern waren Unternehmer, so Waren meine Vater mit Geschwister, dann wieder allein, so waren auch die Onkel auf Mutterseite, und auch meine Mutter (eigentlich waren meine Eltern nie im Leben Angestellte), und auch mein Bruder und seine Frau, und auch mein Mann und wahrscheinlich ich selbst eines Tages.
(schon ein bisschen aus des Themen:) das konnte ich an der Uni schon feststellen. Ich machte in einem Kurs über Firmengründung (création d'entreprise) mit, wo ich kaum was neues erfahren habe. Und da war ein Kommilitone, der war ganz verloren in all dieser Info, und als wir diskutierten erfuhr ich, dass er selbst Lehrer war, sowie auch Vater und Mutter, und dass er nie so was wie ein Unternehmer oder ein Unternehmen nah gekommen war. Das war für ihn so etwas ungeheures, nicht vorstellbares, das ihn in Panik geraten liess. Konnte kaum ihn verstehen (gibt ja nichts schreckliches in einem Unternehmen!). aber da kann man sich leicht vorstellen, wie solche Leute vor dem CPE sich fürchten sollen (wenn sie sich schon vom einem Unternehmen fürchten).
Brett Sinclair a écrit:
Zum Glück waren die Schulen hier nicht blockiert. Im Ernst : Das ist auch etwas, daß ich nicht begreife bei der französischen Jugend, die soviele Schulen und Universitäten blockiert : Warum verstehen die nicht, daß es nochmal die Schwächsten treffen wird ?
Ja! Verstehe ich auch nicht. (Übrigens betrifft dies nicht nur die boursiers, es gibt auch andere Studenten, die Schwierigkeiten haben, ohne Stipendien zu bekommen.) Das habe ich seit Anfang des Konflikts schon mehrmals gehört: wie sollen wir (=Studenten ohne Mittel) leben, wenn die Klausuren aufgeschoben werden, denn wir sollen ja schon im Mai/Juni/Juli anfangen zu arbeiten, um unser Lebensunterhalt zu verdienen?
Dummes Land... _________________ Сонька
Forum Russie
Inscrit le: 03 Jan 2006 Messages: 339 Localisation: Leipzig (Sachsen)
Posté le: Mar 18 Avr 2006 00:30 Sujet du message:
Ich halte CPE und CNE für Kinkerlitzchen, so bin ich selbstverständlich gegen die Einführung dieser neuen Verträge. Sie sind nämlich der wirtschaftlichen Lage Frankreichs so angemessen, wie das ehrgeizige Versprechen Villepins, 100 Tage würden ausreichen, um die Arbeitslosigkeit in jenem Land zu sinken. Solche Konzepten dürfen aus keiner klaren Analyse stammen.
Die schöne Zeit ist leider vorbei, stimmt, und zwar seit den 70ern. D.h. unsere Ökonomien sollen eine Krise durchstehen, die, trotz momentanen Aufschwünge, seit mehr als 30 Jahren dauert. Diese Krise ist keine schlichte „B-Phase“ in einem kapitalistischen Zyklus. Einige Phänomene, die sie bezeichnen, waren in der Geschichte des Kapitalismus – sogar des urzuständlichen K. – nie entstanden. Man brauchte sogar neue Begriffe, um sie zu beschreiben, wie den Begriff Stagflation. Wollen wir uns in so einer schwierigen Lage behaupten, brauchen wir keine Notbehelfe, sondern umfassende Reformen.
Doch diese Reformen dürfen die soziale Sicherheit nicht abschaffen, ohne mit ihren Zwecken zu scheitern. Lohn- und Gehaltsempfänger spielen eine entscheidende Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes. Sie sind nicht nur Produktionskräfte, sondern auch Verbraucher, die Vertrauen und Mittel brauchen, um Güter zu kaufen, zahlbare Dienste zu benutzen und sich größere Investitionen zu leisten (z.B. um zu wagen, ein eigenes Haus bauen zu lassen). Arbeitnehmer sind ein wichtiger Teil unserer Innermärkte, deren Leistungen befriedigend sein müssen, damit unsere Ökonomien wirklich wiederaufsteigen können. Nach meinem Dafürhalten sollte eine verantwortliche Politik diesen Punkt nicht ignorieren.
SebOmaX a écrit:
Gestern habe ich auch etwas anderes und interessantes von Pierre Mehaignerie (UMP) gehört : er hat wohl auf dem Punkt bestanden, dass wenn die Regierung Reformen und Anstrengungen von den Franzosen erlangen möchtet, müssen die Politiker und die Betriebleiter sich als Vorbild verhalten, und zuerst an Privilegien verzichten. Es könnte die Bevölkerung zu den notwendigen Veränderungen ermutigen.
Ich wurde dazusagen, sie sollten – teilweise zumindest – auf ihre Privilegien verzichten, nicht nur um sich als Vorbild zu verhalten, sondern auch weil diese Privilegien selten ihren Leistungen entsprechen und oft schädlich sind. Das erklärt Michael Adams (Professor für Wirtschaftsrechte an der Uni Hamburg) in einem Beitrag des Spiegels von Juli 2005:
Armin Mahler, für den Spiegel a écrit:
Adams meint, dass das System der Managervergütung hatte zur Folge, dass die Unternehmensführer in den vergangenen Jahren einen immer größeren Teil der Gewinne in die eigenen Taschen lenkten. Er meint, dass immer mehr Leute mehr Geld bekämen, als man ihnen eigentlich zahlen müsste.
„Es ist sehr viel Geld da“, sagt der Professor, „alle wollen sich daran vergreifen.“ Die Rechnung zahlen am Ende andere, zum Beispiel die Arbeitnehmer, die entlassen werden, oder die Aktionäre. Aber die können sich kaum wehren – außer durch Verkauf ihre Aktien. Und das drückt den Wert des Unternehmens, gefährdet vielleicht sogar dessen Existenz.
Dass Manager binnen weniger Jahre zig oder gar Hunderte Millionen kassieren und sich damit Vermögen schaffen, wie es früher nur erfolgreichen Unternehmensgründern – und das im Lauf von Generationen – möglich war, ist relativ neu. Zwar haben sich auch normalen Managergehälter innerhalb weniger Jahre vervielfacht, dazu kommen Pensionszusagen und sonstige Wohltaten, die so gut in den Bilanzen versteckt sind, dass sie der Öffentlichkeit weitgehend verborgen bleiben. Den eigentlichen Schub aber bekam die Vermögensbildung der Manager durch den Aktienoptionen.
Solche Optionen sollen den Managern Dampf machen, sie sollten die angestellten Vorstände dazu bewegen, sich nicht wie Beamte, sondern wie Unternehmer zu verhalten: Damit sie den Unternehmenswert nach oben treiben, werden die Unternehmensführer an der Wertentwicklung der Aktien beteiligt. Was in der Theorie durchaus vernünftig klingt, führt in der Praxis zu verheerenden Fehlenentwicklungen. Gewinne werden künstlich und mit krimineller Energie aufgebläht...
_________________ Wir brauchen keinen Appetit, wir haben den Hunger. (Bertolt Brecht)
===
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Denn kein Arbeitgeber lässt bewährte Arbeitnehmer gerne gehen!
Da irrst Du Dich. Sie tun das jeden Tag. Wenn der bewährte Arbeitsnehmer teurer wird als die Arbeitslosen, die vor der Tür Schlange stehen, hilft es wenig, "bewährt" zu sein.
Die französische Debatte ist viel einfacher als es aussieht:
Wenn man eine Wohnung mieten will, muss man in vielen Orten eine faste Anstellung haben. Vermieter verlangen immer mehr Sicherheiten, damit sie auf ihr Geld kommen. Bei den Banken ist es noch schlimmer: keine Chance, sich auf Borg ein Auto finanzieren zu lassen, wenn die finanzielle Situation der Familie keine absolute Sicherheit bietet. Dieses Auto braucht man aber meistens, um zur Arbeit zu fahren und die so begehrte faste Anstellung bewerben zu können. Jeder Franzose weiß auch, dass der RMI (Sozialhilfe) nicht mal zum Übeleben genügt. So schlimm wäre es nicht, wenn Leute nicht jahrelang darauf hingewiesen wären, weil die Arbeitslosigkeit in Wirklichkeit eher 15% ist als die offiziellen 10%. Bei Jugendlichen ist es noch dramatischer.
Dass Villepin Leute via den Fernseher in die Augen gucken kann, während er eigentlich zugibt, dass die Regierung überhaupt keinen Einfluss auf die Wirtschaft hat, kann kaum beim Volk gut ankommen.
Dänemark hat jeden Kündigungsschutz abgeschaft. Aber Arbeitslosengeld bleibt 4 Jahre lang auf der Höhe von 80% des letzten Gehaltes gewährleistet. Danach bekommen Sozialklienten Dagpenge mit Mietzuschuss, was viel großzügiger ist als in Frankreich oder Deutschland. Sogar arme Familien können dank großzügigem BAFöG ihre Kinder in die Uni schicken. Kein Wunder, dass sich die Dänen vor der Abschaffung des Kündigungschutzes nicht fürchten.
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